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Sauna gegen Depressionen

Fragt man überzeugte Saunagänger nach dem Grund für ihren regelmässigen Saunabesuch, lautet die Antwort fast immer «Entspannung». So gaben in einer im letzten Jahr erschienenen Umfrage zur Saunabenutzung über 400 Saunabesucher aus aller Welt die Entspannung als Hauptgrund für ihre regelmässigen Saunabesuche an. Kein Wunder, zeigt das Abschalten vom Alltagsstress denn auch Wirkung auf das allgemeine psychische Wohlbefinden. So konnten mehrere Studien belegen, dass regelmässiges Saunieren zur Verbesserung der Grundstimmung beiträgt – und sogar zur Behandlung von Depressionen einen Teil beitragen kann.

«Saunieren aktiviert die Hormone Endorphin und Serotonin.»

Was steckt hinter dem Gefühl der Entspannung?

Die Antwort ist einfach: Hormone! Dabei handelt es sich um Botenstoffe des Körpers. Durch Veränderungen ihrer Konzentration im Blut werden gewisse körperliche Prozesse aktiviert oder gehemmt. Zusätzlich nehmen die Hormone Einfluss auf unsere Stimmungslage. Einen positiven Effekt auf unsere Laune haben die Hormone Endorphin und Serotonin. Beide werden mit guter Stimmung, Zufriedenheit oder sogar Hochgefühlen assoziiert und beide werden durch die Sauna aktiviert.

 

Endorphine und das «Runner’s High»

Endorphine wirken grundsätzlich schmerzlindernd, tragen aber auch zum Glücksgefühl nach körperlicher Anstrengung bei. Zudem wirken sich Endorphine positiv auf die Stressresistenz aus. Eine erhöhte Konzentration des Hormons im Blut macht uns belastbarer und trägt zur Beibehaltung der Ruhe in anstrengenden Situationen bei.

Im Ausdauersport kennt man den positiven Effekt von Endorphinen unter dem Begriff «Runner’s High», auf Deutsch auch «Läuferhoch» genannt. Die Anstrengung eines langen Laufes gepaart mit dem schmerzstillenden Effekt des Hormons führt zu einem momentanen Glücksgefühl. Es wird vermutet, dass der nachweisbare Anstieg von Endorphinen im Blut beim Saunieren auf die gleiche Ursache zurückzuführen ist. Auch beim Saunagang wird der Körper bedingt durch die extreme Hitze einer hohen Belastung ausgesetzt. Analog zum «Runner’s High» wird also beim Saunieren als Antwort auf die erhöhte Belastung das schmerzlindernde Hormon ausgeschüttet. Zwar ist die Beanspruchung des Körpers nicht vergleichbar mit der eines Marathonläufers, aber ein positiver Effekt auf die Psyche lässt sich dennoch feststellen. Das konnte auch eine Studie in Japan zeigen, die Personen mit leichten Depressionsanzeichen auf die Ausschüttung von Endorphinen durch Thermaltherapie untersuchte. Die regelmässige Freisetzung der Endorphine durch Saunieren führte bei einem Grossteil der Probanden bereits nach vier Wochen zu einer Verbesserung des psychischen Zustandes.

 

Das «Glückshormon» Serotonin

Serotonin ist umgangssprachlich vor allem als «Glückshormon» bekannt. Die Bezeichnung rührt unter anderem daher, dass Verliebtheitsphasen mit einem hohen Serotoninspiegel einhergehen. Lernen wir jemanden kennen, den wir interessant und attraktiv finden, wird die Menge an ausgeschüttetem Serotonin vervielfacht. Das ist nicht nur Grund für unser anfängliches Hochgefühl, wenn wir uns in jemanden verlieben, sondern fördert auch die sexuelle Lust.

Auch unabhängig von momentaner Verliebtheit trägt das Hormon durch die Blockierung von negativen Gefühlen wie Angst oder Kummer massgeblich zu guter Stimmung bei. Zusätzlich werden aggressive Verhaltensweisen gehemmt und man fühlt sich ausgeglichener und entspannter.

 

Serotoninmangel bei depressiven Verstimmungen – und wie Saunieren helfen kann

Als Ursache von leichten oder mittelschweren Depressionen wird häufig Serotoninmangel aufgeführt. Ist die depressive Phase auf einen Schicksalsschlag zurückzuführen, kann der Mangel an Serotonin die Depression verschlimmern. Herkömmliche Antidepressiva greifen deshalb häufig in den Serotoninstoffwechsel ein. Dabei wird die Ausschüttung des Hormons angeregt und dessen Abbau durch körpereigene Enzyme gehemmt.

 

Auch regelmässiges Saunieren fördert die Ausschüttung von Serotonin und kann bei der Behandlung von depressiven Verstimmungen somit unterstützend wirken. So sind gewisse im Hirnstamm angesiedelte serotonerge Neuronen (also Neuronen, welche Serotonin produzieren) wärmeempfindlich. Erhöht sich die Temperatur an der Haut oder an der Oberfläche von Schleimhäuten erheblich, werden sie aktiviert und beginnen, Serotonin auszuschütten. Dadurch leiten sie einen Abkühlungsprozess ein, damit die Körpertemperatur keinen kritischen Wert erreicht. Sozusagen als Nebeneffekt dieses Abkühlungsprozesses wirkt sich die erhöhte Ausschüttung von Serotonin positiv auf unsere Psyche aus.

Serotonerge Neuronen zeigen sich zwar bereits ab 27° C wärmeempfindlich, es wird jedoch davon ausgegangen, dass ca. 40° C benötigt werden, um die Ausschüttung von Serotonin maximal zu fördern. Wird es viel wärmer, nimmt der Effekt wieder ab. Aus diesem Grund erweisen sich insbesondere Infrarotsaunas, die einen Temperaturbereich von 35 – 50° C aufweisen, als ideal, um die serotonergen Neuronen anzuregen und damit das psychische Wohlbefinden zu verbessern.

 

 

 

Quellen

 

  • Cohen, Marc M. et al. (2019): A hot topic for health: Results of the Global Sauna Survey.
  • Lowry, CA et al. (2009): That warm fuzzy feeling: brain serotonergic neurons and the regulation of emotion.
  • Masuda, Akinori (2005): Repeated thermal therapy diminishes appetite loss and subjective complaints in mildly depressed patients.
  • Schmiedel, Volker (2010): Serotonin – Das Glückshormon.